Horses for Heroes Award für Britta Wassermann

Sep. 6, 2026

Horses for Heroes Award für Britta Wassermann: „Nicht sehen, was jemand nicht kann, sondern was möglich ist“

Ehemalige Para-Dressurreiterin am Samstagabend in Münster ausgezeichnet / Gründerin Anuschka Bayer und ihr Sohn Clemens persönlich vor Ort

MÜNSTER. Ein Leben mit Pferden, geprägt von sportlichen Erfolgen, schweren Rückschlägen und immer wieder neuem Mut: Britta Wassermann ist am Samstagabend beim Al Shira’aa Turnier der Sieger mit dem Horses for Heroes Award 2026 ausgezeichnet worden. Anuschka Bayer, Gründerin des Horses for Heroes e. V., war gemeinsam mit ihrem Sohn Clemens nach Münster gekommen, um die Ehrung vor der Kulisse des Fürstbischöflichen Schlosses persönlich zu begleiten.

Der Horses for Heroes Award würdigt Menschen, die auf besondere Weise für Inklusion und Teilhabe stehen und sichtbar machen, was Pferde im Leben von Menschen bewirken können. Vergeben wird er vom gemeinnützigen Verein Horses for Heroes e. V., der sich dafür einsetzt, Menschen mit Behinderungen und schweren Erkrankungen den Zugang zu therapeutischem Reiten und pferdegestützter Begleitung zu ermöglichen

Hinter der Initiative steht eine persönliche Geschichte. Anuschka Bayer gründete Horses for Heroes aus den Erfahrungen mit ihrem schwerbehinderten Sohn Clemens heraus. Pferde wurden für ihn und seine Familie zu wichtigen Begleitern. Aus dieser Erfahrung entstand der Wunsch, auch anderen Menschen mit Beeinträchtigungen den Zugang zu Pferden zu ermöglichen. Heute arbeitet der Verein dafür mit einem bundesweiten Netzwerk aus qualifizierten Therapeuten, Einrichtungen, Coaches und Familien zusammen; dazu gehört auch die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kuratorium für Therapeutisches Reiten.

Sportliche Erfolge trotz schwerer Schicksalsschläge

Mit Britta Wassermann zeichnete Horses for Heroes in diesem Jahr eine Frau aus, deren Lebensweg beispielhaft für genau diese Botschaft steht. Bereits als Kind erkrankte sie an aggressivem Knochenkrebs, in dessen Folge ihr ein Arm amputiert werden musste. Später kam eine schwere Lungenerkrankung hinzu. Ihr Weg mit den Pferden ging dennoch weiter.

1996 startete Wassermann bei der Para-Weltmeisterschaft und gewann mit Accenta Bronze mit der Mannschaft sowie Silber in der Kür. Auch jenseits des Para-Sports setzte sie ihren reiterlichen Weg fort und bildete Pferde selbst bis zur Klasse M im Regelsport aus.

„Ihr Handicap war nie das Maß dafür, was Sie erreichen können“, hieß es deshalb in der Laudatio. Stattdessen steht ihre Geschichte für einen anderen Blick: nicht darauf zu schauen, was ein Mensch nicht kann, sondern darauf, was möglich ist.

Zu den Pferden, die Wassermanns sportlichen Weg besonders prägten, gehörte Don Geronimo. Mit ihm feierte sie große Erfolge, bevor sie ihn viel zu früh verlor. Auch dieser Verlust gehört zu einer Biografie, in der Pferde weit mehr waren als Sportpartner.

Pferde als Wegbegleiter

Immer wieder waren es Menschen, die an Wassermann glaubten und sie auf ihrem Weg unterstützten – Trainer ebenso wie andere Wegbegleiter. Vor allem aber waren es die Pferde, die ihr Vertrauen, Kraft und neue Ziele gaben.

Damit berührt ihre Geschichte unmittelbar den Gedanken, aus dem Horses for Heroes entstanden ist. „Manchmal braucht es eine zweite Chance – und manchmal braucht es ein Pferd, das einem wieder Mut zum Leben gibt“, lautete eine der zentralen Botschaften der Laudatio.

Genau diese Verbindung zwischen Mensch und Pferd möchte der Verein sichtbar machen. Der Horses for Heroes Award wird auf ausgewählten Reitturnieren vergeben und setzt dabei bewusst ein Zeichen für Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe. Beim Turnier der Sieger wurden in den vergangenen Jahren unter anderem Nachwuchsspringreiter Jeremy Hein und Special-Olympics-Athlet Amadeus Colsman ausgezeichnet

Eine Bühne für Geschichten, die über den Sport hinausgehen

Mit der Verleihung des Horses for Heroes Award setzte das Al Shira’aa Turnier der Sieger auch 2026 einen bewussten Akzent jenseits von Prozentpunkten, Fehlern und Sekunden. Der Westfälische Reiterverein nutzt die große Bühne vor dem Münsteraner Schloss seit Jahren auch, um Menschen und Initiativen sichtbar zu machen, deren Wirken über den unmittelbaren Turniersport hinausreicht.

Am Samstagabend gehörte diese Bühne Britta Wassermann – einer Reiterin, deren Geschichte zeigt, wie viel sportlicher Ehrgeiz und persönliche Stärke bewirken können, wenn Menschen an Möglichkeiten glauben. Und welche Rolle Pferde dabei spielen können: als Sportpartner, Wegbegleiter und manchmal als diejenigen, die neuen Mut schenken.

Fotos: Johanna Milse