Evelyn Eger gewinnt Grand Prix Spécial – Michael Klimke zieht positives Dressurfazit
Global Power OLD setzt sich vor Dorothee Schneider und Katharina Hemmer durch / „In diesem Jahr haben wir absoluten Top-Sport gesehen“
MÜNSTER. Mit einem Sieg von Evelyn Eger und Global Power OLD ist am Sonntag die Grand-Prix-Tour der Dressurreiter beim Al Shira’aa Turnier der Sieger zu Ende gegangen. Im Preis von Jan-Udo und Elisabeth Kreyenborg, in memoriam Dr. Reiner Klimke, setzte sich die 28-Jährige mit dem erst neunjährigen Global Power OLD und 72,882 Prozent an die Spitze. Dorothee Schneider und First Romance 2 belegten mit 72,686 Prozent Rang zwei, Katharina Hemmer und Special Gold PCH wurden mit 71,921 Prozent Dritte. Für Michael Klimke, Turnierchef Dressur, stand am Ende eines Wochenendes mit hochkarätiger Besetzung vor allem eines fest: „In diesem Jahr haben wir absoluten Top-Sport gesehen.“
Für Eger war der Erfolg im Grand Prix Spécial zugleich eine Bestätigung eines gemeinsamen Weges, der bereits vor fünf Jahren begann. Global Power OLD kam vierjährig über die P.S.I. Auktion und Hof Kasselmann zur Familie Bergmann, Eger übernahm den Grey-Flanell-Sohn direkt nach dem Anreiten. Gemeinsam bauten sie ihn klassisch über die Jungpferdeprüfungen bis in den Grand-Prix-Sport auf.
„Für mich ist er ein Ausnahmepferd. Es ist eine Freude und eine Ehre, auf so einem Pferd sitzen zu dürfen“, sagte Eger nach ihrem Sieg. „Ich glaube, dass er das Potenzial hat, alles zu gehen. Er hat unheimlich viel Willen, ist ehrgeizig und clever.“
Dabei denkt die Reiterin bereits weiter. Über den kommenden Winter soll Global Power OLD vor allem die nötige Kraft für die nächsten Aufgaben entwickeln. Danach werde man schauen, was das kommende Jahr bringt. Als mögliche Station nannte Eger unter anderem Balve – verbunden mit einem langfristigen Ziel: „Auf Dauer möchte ich wieder für das deutsche Team reiten können.“
Mit Münster verbindet sie bereits besondere Erinnerungen. Vor zwei Jahren war sie mit Tabledance auf dem Schlossplatz am Start, musste damals jedoch nach dem Grand Prix aufgrund von Koliksymptomen ihres Pferdes auf die Kür verzichten. Umso schöner war für sie nun die Rückkehr – und der Sieg zum Abschluss der Dressurtage.
First Romance: 16 Jahre und noch immer Spaß am Sport
Nur knapp hinter der Siegerin reihten sich Dorothee Schneider und First Romance 2 ein. Gerade einmal 0,196 Prozentpunkte trennten die beiden ersten Plätze. Für Schneider stand nach ihrem Ritt weniger die Zahl auf der Ergebnistafel als vielmehr die Freude an ihrem mittlerweile 16 Jahre alten Partner im Vordergrund.
„Er kann schon ein Schalk sein und hat seine eigenen Ideen“, erzählte sie über „Roman“. Bereits beim Abreiten sei der Wallach wieder „lustig drauf“ gewesen, auch in der Prüfung habe er das eine oder andere Mal geschaut. Kleine Versehen blieben deshalb nicht aus.
Doch genau diese Energie schätzt Schneider an ihm. „Ich genieße bei diesem Pferd, wie viel Spaß er an dem Sport hat und wie er sich hier präsentiert. Wir haben beide viel Freude daran.“ Nach der einen oder anderen verletzungsbedingten Pause freue sie sich umso mehr darüber, First Romance heute so erleben zu dürfen.
Auch das Turnier in Münster habe für sie weiterhin einen besonderen Reiz. „Es ist ein tolles Flair hier in der Arena. Ich komme immer gern wieder her.“ In diesem Jahr war First Romance nicht direkt auf dem Turniergelände eingestallt. Stattdessen standen dem Paar Boxen außerhalb zur Verfügung – eine andere Situation als gewohnt, die „Roman“, so Schneider, sehr gut gemeistert habe.
Special Gold wird selbstbewusster
Rang drei ging an Katharina Hemmer und Special Gold PCH. Mit 71,921 Prozent steigerte sich das Paar aus Sicht seiner Reiterin im Verlauf des Wochenendes.
„Spezi ist ein ganz besonderes Pferd. Er hat alle Möglichkeiten, zeigt sie aber noch nicht immer – daran arbeiten wir“, erklärte Hemmer. Im Grand Prix am Donnerstag sei der zehnjährige Hengst noch etwas schüchtern gewesen, im Spécial habe er sich bereits selbstbewusster präsentiert. „Die Entwicklung vom Grand Prix zum Spécial fand ich gut. Heute war das schon besser, und ich bin sehr happy mit ihm und seiner Leistung.“
Für Hemmer war Münster zugleich das erste größere Turnier nach der Weltmeisterschaft in Aachen, bis zu der ihre Saison zunächst geplant gewesen war. „Nach Aachen gibt es auch noch ein Danach“, sagte sie. Ursprünglich hatte die Reiterin sogar mit zwei Pferden nach Münster kommen und mit Slaide in der Kür starten wollen. Ein Hufgeschwür verhinderte diesen Plan. Das Thema Kür soll deshalb nun über den Winter angegangen werden.
Tobias Nabben und Forster 16 belegten im Spécial mit 71,647 Prozent Rang vier. Dr. Svenja Kämper-Meyer und Amanyara M FRH komplettierten mit 71,236 Prozent die Top Fünf.
Klimke: „Absoluter Top-Sport“
Für Michael Klimke fiel die sportliche Bilanz der Dressurtage entsprechend positiv aus. Bereits der Grand Prix am Donnerstag hatte ein stark besetztes Feld auf den Schlossplatz gebracht, zehn Paare erzielten dort Ergebnisse von mehr als 70 Prozent. Hinzu kamen die DERBY Stars von Morgen, die Grand Prix Kür unter Flutlicht am Samstagabend und der Spécial zum Abschluss am Sonntag.
„In diesem Jahr haben wir absoluten Top-Sport gesehen“, bilanzierte Klimke. Grundsätzlich könne er sich vorstellen, das Dressurprogramm in seiner jetzigen Struktur beizubehalten – auch, wenn er sich für den Grand Prix am Donnerstag ein größeres Starterfeld wünsche, was die Rahmenbedingungen aber nicht erlaubten.
Ein kritisches Thema sprach der Turnierchef ebenfalls an. Bei einzelnen Ritten waren im Verlauf des Wochenendes deutliche Unterschiede zwischen den Bewertungen der fünf Richter zu beobachten. Teilweise lagen die Einzelnoten um sechs oder sieben Prozentpunkte auseinander.
„Das darf nicht passieren“, sagte Klimke. Gerade bei einem international hochkarätig besetzten Starterfeld seien solche Abweichungen für die Reiter frustrierend und für das Publikum nur schwer nachzuvollziehen. Eine Absicht wolle er ausdrücklich niemandem unterstellen. Bei Abweichungen ab fünf Prozentpunkten sei jedoch vorgesehen, dass der Chefrichter anschließend das Gespräch suche.
An der grundsätzlichen Bilanz änderte dies für Klimke nichts. Vom stark besetzten Grand Prix über die Nachwuchspferde bei den DERBY Stars von Morgen bis zur Kür unter Flutlicht und dem abschließenden Grand Prix Spécial bot die Dressur beim Al Shira’aa Turnier der Sieger vier Tage Sport vor besonderer Kulisse – und 2026, so Klimkes Fazit, auf besonders hohem Niveau.
Fotos: Johanna Milse
