Dressur-Auftakt in Münster: Isabell Werth und Bianca Nowag-Aulenbrock setzen erste Akzente

Sep. 3, 2026

Dressur-Auftakt in Münster

Isabell Werth und Bianca Nowag-Aulenbrock setzen erste Akzente

MÜNSTER. Hochklassiger Sport trotz windiger Bedingungen: Der Donnerstagvormittag beim Al Shira’aa Turnier der Sieger gehörte traditionell der Dressur. Im Preis der Almased Wellness GmbH setzte sich Isabell Werth mit DSP Quantaz im Grand Prix an die Spitze. Wenig später entschied Bianca Nowag-Aulenbrock mit der erst neunjährigen Vaida-Girl OLD die erste Prüfung der DERBY Stars von Morgen für sich. Zwei Prüfungen, die zugleich einen Vorgeschmack auf die weiteren Dressurhöhepunkte der kommenden Tage gaben.

Isabell Werth und Quantaz melden sich mit Sieg zurück

73,880 Prozent bedeuteten im Grand Prix, einer nationalen Dressurprüfung der Klasse S****, den Sieg für Isabell Werth und DSP Quantaz. Für den mittlerweile 16-jährigen Wallach war es der erste Turnierstart nach einer längeren Pause – und noch dazu einer ohne große Vorbereitung vor Ort.

„Aufladen, abladen, losreiten – das hat Quantaz einfach super gemacht“, beschrieb Werth die Ausgangslage. Umso zufriedener war sie mit ihrem Sportpartner, der sich auch vom Wind kaum beeindrucken ließ und eine Prüfung ohne größere Fehler absolvierte. „Er ist noch frisch und kernig, und genau das ist die Zielsetzung.“

Wie es für Quantaz weitergeht, lässt Werth zunächst offen. Ein weiterer Weltcup-Start sei ebenso denkbar wie ein Turnierstart nach Mexiko. Zuvor wartet für die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt noch das Turnier in Wien, ehe die Hallensaison beginnt. Dort möchte sie neben Quantaz auch Viva Gold einsetzen, während Wendy zunächst eine Pause genießen darf. Gerade die kontinuierliche Abstimmung über mehrere Turniere habe ihren Pferden zuletzt gutgetan, erklärte Werth.

Auf Rang zwei folgten Dorothee Schneider und der ebenfalls 16-jährige First Romance mit 72,720 Prozent. Schneider hatte sich bewusst für einen Start in Münster entschieden. „Ich wollte mir Münster nicht entgehen lassen. Das Turnier ist schon sehr besonders, ich genieße es immer, hier zu sein“, sagte Schneider nach ihrem Start. First Romance habe trotz einiger kleiner Unsicherheiten große Freude an seiner Aufgabe gezeigt und sich vom Wind nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Er erlebe derzeit regelrecht seinen „zweiten Frühling“, berichtete Schneider. Auch sie selbst habe ihr Reiten noch einmal angepasst und versuche, ihrem Pferd mehr Freiheit zu geben, damit es seine große Grundqualität entfalten könne. First Romance soll dosiert eingesetzt werden; perspektivisch kann sich Schneider auch eine Weltcup-Qualifikation vorstellen. In Münster wartet zunächst am Sonntag der Grand Prix Spécial.

Evelyn Eger und der neunjährige Global Power OLD komplettierten mit 72,560 Prozent das Podium. Insgesamt erreichten gleich zehn Paare mehr als 70 Prozent.

Vaida-Girl OLD überzeugt bei den DERBY Stars von Morgen

Im Anschluss gehörte das Viereck der nächsten Generation. In der Intermédiaire II der DERBY Stars von Morgen setzte sich Bianca Nowag-Aulenbrock mit Vaida-Girl OLD durch. 72,105 Prozent bedeuteten den Sieg für die erst neunjährige Stute, die sich innerhalb kurzer Zeit bis an die Schwelle zum Grand-Prix-Sport entwickelt hat.

„Mit Vaida-Girl war ich superzufrieden. Sie hat das hier toll gemacht und ihre Entwicklung ist beachtlich“, resümierte Nowag-Aulenbrock. Trotz der ungemütlichen Wetterbedingungen sei die Stute sehr konzentriert geblieben und habe keine wirklichen Fehler gemacht. Potenzial für weitere Entwicklung sieht ihre Reiterin unter anderem noch in den Piaffe-Passage-Übergängen, die künftig präziser werden sollen.

Dass Nowag-Aulenbrock dabei keinen Zeitdruck verspürt, liegt auch an der noch jungen Karriere ihrer Stute. Erst im März ging Vaida-Girl erstmals auf S***-Niveau. „Allmählich kommt sie auf Grand-Prix-Niveau an. Sie bestimmt das Tempo und auch, wie weit wir uns noch nach vorn arbeiten können“, erklärte die Reiterin. Zunächst gehe es darum, Kraft und Routine weiterzuentwickeln. „Wir wollen nichts überstürzen. Aber eine Tour wie die DERBY Stars von Morgen eignet sich dafür sehr gut.“

Am Sonntag wartet die nächste Qualifikationsprüfung der Serie. Dort möchten sich Nowag-Aulenbrock und Vaida-Girl für das Finale empfehlen.

Platz zwei am Donnerstag ging mit 71,500 Prozent an Helen Langehanenberg und den zehnjährigen Dreikäsehoch. Elisabeth von Wulffen und Triple A belegten mit 70,658 Prozent Rang drei.

„Topsport an einem Donnerstagvormittag“

Michael Klimke, beim Turnier der Sieger für den Dressurbereich verantwortlich, zeigte sich entsprechend zufrieden mit dem Auftakt. Besonders die Qualität des Grand Prix habe unterstrichen, welches Niveau das Starterfeld in diesem Jahr mitbringe. „Wir hatten zehn Pferde mit über 70 Prozent. Das war Topsport – und das an einem Donnerstagvormittag“, sagte Klimke. Dass Reiterinnen wie Isabell Werth und Dorothee Schneider den Weg nach Münster gefunden hätten, freue ihn besonders.

Die nächsten Höhepunkte stehen bereits fest: Am Samstagabend wird die traditionelle Grand Prix Kür unter Flutlicht erneut für eine besondere Atmosphäre vor dem Schloss sorgen, am Sonntag folgt der Grand Prix Spécial.

Klimke sieht darin auch die Chance, die Begeisterung weiterzutragen, die der Reitsport zuletzt bei der Weltmeisterschaft in Aachen entfacht habe. Die Stimmung dort – insbesondere bei der Kür und beim Einzelspringen – sei noch bei vielen präsent. „Es herrscht eine freundliche, positive Grundstimmung. Reitsport ist einfach toll, und genau das wollen wir nach außen tragen.“

Dass dies beim Al Shira’aa Turnier der Sieger mitten in Münster und für viele Besucher frei zugänglich geschieht, ist auch für Isabell Werth ein wichtiger Aspekt. Das Pferd sei weit mehr als Sportpartner, betonte sie: Es sei „Kulturgut, Therapeut und Freizeitpartner“ und habe seit Jahrhunderten einen festen Platz in der Gesellschaft. Gerade deshalb sei es wichtig, den Pferdesport in seinen vielen Facetten sichtbar zu machen.

Fotos: Johanna Milse